Dokumentation
ETF-Entnahmeplan
Der Rechner beantwortet drei Kernfragen: Welche monatliche Anfangsentnahme vor Steuern ist für einen festen Zeitraum tragfähig, wie lange reicht ein Depot bei vorgegebener Bruttoentnahme und wie lange reicht es bei vorgegebener Nettoauszahlung nach Steuern. Die Steuerlogik ist bewusst vereinfacht, aber transparent offengelegt.
Modellübersicht
- Zweck des Rechners: Reichweite oder tragfähige Anfangsentnahme eines ETF-Depots unter festen Annahmen abschätzen.
- Zielgruppe / typische Nutzung: Nutzer in oder kurz vor der Entnahmephase, die Größenordnungen für Auszahlungen und Haltbarkeit prüfen wollen.
- Modelltyp: Deterministische Monatsprojektion mit vereinfachter Gewinnrealisierung und optionaler Binärsuche.
- Inputs: Startvermögen, Einstandswerte, Entnahmehöhe oder Zielhorizont, Entnahmesteigerung, Rendite, Kosten, Inflation und Steuerparameter.
- Outputs: Tragfähige Anfangsentnahme, Depotreichweite, Nettoauszahlungen, Steuerabflüsse und eventuelles Restvermögen.
- Bewusst ignorierte Effekte: Sequenzrisiko, lotspezifische Verkaufslogik, Verlustverrechnung, Vorabpauschalen aus Vorjahren und depotbankspezifische Steuerlogik.
- Grenzen der Aussage: Als Planungs- und Belastungstest für ein glattes Durchschnittsszenario geeignet, nicht als belastbarer Ruhestandsplan im engeren Sinn.
- Wirkung der Vereinfachung: Konstante Rendite unterschätzt das Risiko schlechter Anfangsjahre und kann tragfähige Entnahmen eher zu hoch erscheinen lassen.
Modelllogik
- Es wird monatsweise gerechnet: zuerst Rendite, dann Entnahme zum Monatsende.
- Die Entnahme kann als Brutto- oder Nettoziel vorgegeben werden.
- Im Laufzeitmodus löst der Rechner die tragfähige Anfangsentnahme per Binärsuche.
- Steuern entstehen nur auf den jeweils realisierten Gewinnanteil einer Entnahme.
Variablen
Rechenschritte
Die Kostenquote reduziert zuerst die Jahresrendite. Anschließend wird daraus eine Monatsrendite abgeleitet, weil der Rechner monatsweise arbeitet.
Die Anfangsentnahme wächst also von Jahr zu Jahr mit der vorgegebenen Entnahmesteigerung, zum Beispiel als Inflationsausgleich.
Das ist die zentrale Vereinfachung: Entnahmen werden proportional in Kapitalrückfluss und Gewinnanteil zerlegt. Reale Depotbanken arbeiten lotspezifischer.
Im Netto-Modus wird die nötige Bruttoentnahme numerisch gesucht, damit diese Gleichung möglichst genau das gewünschte Nettoziel liefert.
Jeder Monat folgt derselben Logik:
- Depotwert mit \(r_m\) verzinsen,
- Bruttoentnahme abziehen,
- Einstandswerte um den Kapitalrückfluss reduzieren,
- Steuern auf den Gewinnanteil abziehen,
- prüfen, ob das Depot aufgebraucht ist.
Gesucht ist die größte Anfangsentnahme, bei der das Depot den Zielhorizont gerade noch überlebt. Weil diese Funktion monoton ist, kann der Rechner wieder eine Binärsuche verwenden.
Didaktische Einordnung
Eine Bruttoentnahme beantwortet die Frage: „Wie viel verkaufe ich monatlich aus dem Depot?“ Eine Nettoentnahme beantwortet die andere Frage: „Wie viel Geld kommt nach Modellsteuern tatsächlich bei mir an?“
Weil zwischen beiden Größen erst die Steuerlogik liegt, sind das fachlich zwei unterschiedliche Problemstellungen. Genau deshalb hat der Rechner dafür getrennte Modi.
Modellrisiken und Verzerrungsrichtung
- Kein Sequenzrisiko: Das ist der größte modellische Bias; reale frühe Verluste können die Tragfähigkeit deutlich schlechter machen als hier angezeigt.
- Proportionale Gewinnschätzung: Statt FIFO/Losgrößen wird ein glatter Gewinnanteil verwendet; das macht die Steuerrechnung planbar, aber nicht depotbankscharf.
- Glatter Inflationspfad: Reale Kaufkraftschocks werden geglättet, was langfristige Nettoaussagen ruhiger wirken lässt.
- Konstante Entnahmedynamik: Wer Ausgaben in Krisen nicht anpassen kann, hat oft weniger Robustheit als das Standardmodell suggeriert.
Die Aufteilung in Gewinn- und Kapitalanteil erfolgt proportional zum aktuellen Depotzustand. FIFO-/Losgrößenlogik, Vorabpauschalen aus Vorjahren, Verlustverrechnungstöpfe, Quellensteuer und reale Sequence-of-Returns-Effekte werden nicht vollständig abgebildet. Der Rechner arbeitet mit konstanter Durchschnittsrendite und ist deshalb eine Planungsrechnung, kein stressgetesteter Entnahmeplan.
Einordnung der Default-Werte
- Rendite- und Kosten-Defaults: Als neutrale ETF-Langfristannahmen gedacht; bei defensiveren Portfolios oder höheren Kosten müssen sie angepasst werden.
- Inflation und Entnahmesteigerung: Sind getrennte Annahmen und sollten bewusst gesetzt werden; wer keine reale Kaufkraftsicherung plant, darf sie nicht blind übernehmen.
- Einstandswerte-Default: Ist nur eine Beispielaufteilung von Kapital und Gewinn; für realistische Steuerpfade sollte der Nutzer seinen ungefähren Einzahlungsanteil kennen.
- Steuer-Defaults: FSA, Kirchensteuer und Fondsart sind nur bei passender persönlicher Situation und Produktart sinnvoll.
Ergebnisinterpretation
- Tragfähige Anfangsentnahme: Größte modellhaft mögliche Bruttoentnahme im ersten Jahr, damit der Zielhorizont hält.
- Depot reicht bis: Zeitpunkt, an dem das Depot im Modell erstmals auf null fällt.
- Kumulierte Nettoauszahlungen: Summe der tatsächlichen Auszahlungen nach Modellsteuern.
- Endvermögen: Wird nur ausgewiesen, wenn innerhalb des Simulationshorizonts Restvermögen verbleibt.
Quellen
- § 20 InvStG: Teilfreistellungen für Fonds.
- § 20 EStG und § 32d EStG: Kapitalerträge und pauschaler Abgeltungsteuersatz.
- § 4 SolzG 1995: Solidaritätszuschlag.
Quelle, Stand und Modellstatus
- Quelle: EStG, InvStG und SolzG in den oben verlinkten Fassungen.
- Stand der Modelllogik: 30. April 2026.
- Modellstatus: Vereinfachte Entnahme- und Steuerrechnung für Planungszwecke, keine steuerliche oder finanzielle Beratung.