Dokumentation

Vorabpauschale

Der Rechner bildet § 18 InvStG einschließlich Teilfreistellung, Freistellungsauftrag und optionaler Kirchensteuer ab. Unterjährige Sparraten werden über eine explizit dokumentierte Zeitgewichts-Näherung berücksichtigt, damit regelmäßige Monatskäufe ohne vollständige Einzeltransaktionsliste nachvollziehbar modelliert werden können.

Modellübersicht

  • Zweck des Rechners: Basisertrag, Vorabpauschale und daraus folgende Steuerlast im Standardfall nachvollziehbar herleiten.
  • Zielgruppe / typische Nutzung: ETF-Anleger, die die Vorabpauschale für ein Jahr grob verstehen oder abschätzen wollen.
  • Modelltyp: Deterministische Jahressteuerrechnung mit Zeitgewichts-Näherung für gleichmäßige Monatskäufe.
  • Inputs: Steuerjahr, Fondsart, Depotwert am Jahresanfang und Folgejahresanfang, monatliche Sparrate, Ausschüttungen sowie Steuerparameter.
  • Outputs: Basisertrag, Wertsteigerung, Vorabpauschale, steuerpflichtiger Anteil und modellierte Steuerlast.
  • Bewusst ignorierte Effekte: Unregelmäßige Einzelkäufe, Verlustverrechnung, depotbankspezifische Rundungen, Quellensteuer und Veranlagungsdetails.
  • Grenzen der Aussage: Geeignet als Standardmodell nach Gesetzeslogik, nicht als exakte Depotbank-Nachbildung.
  • Wirkung der Vereinfachung: Bei regelmäßigen Monatsraten meist neutral, bei stark unregelmäßigen Kaufzeitpunkten potenziell in beide Richtungen verzerrt.

Modelllogik

  • Die Vorabpauschale startet mit dem Basisertrag nach § 18 InvStG.
  • Unterjährige Sparraten erhöhen die Bemessungsgrundlage zeitgewichtet, weil nicht jede Rate das ganze Jahr investiert war.
  • Die so gefundene Vorabpauschale wird anschließend auf die tatsächliche Wertsteigerung inklusive Ausschüttungen gekappt.
  • Erst danach greifen Teilfreistellung, Freistellungsauftrag und die Steuerkette.

Variablen

\(S_0\)Wert des Fonds zum 01.01. des Steuerjahres
\(S_1\)Wert des Fonds zum 01.01. des Folgejahres
\(m\)monatliche Sparrate im Steuerjahr
\(A\)Ausschüttungen im Jahr
\(b\)effektiver Basiszins
\(q\)Teilfreistellungsquote
\(F\)verfügbarer Freistellungsauftrag
\(k\)Kirchensteuersatz

Rechenschritte

1. Unterjährige Sparraten zeitgewichten
$$S_{\mathrm{jahr}} = 12m$$
$$S_{\mathrm{gew}} = 6{,}5\,m$$

Die Gewichtssumme 6,5 ergibt sich aus den Monatsgewichten \(12/12, 11/12, \dots, 1/12\). Eine Januarrate wirkt also fast ein ganzes Jahr, eine Dezemberrate nur sehr kurz.

2. Basisertrag berechnen
$$B = \bigl(S_0 + S_{\mathrm{gew}}\bigr)\cdot 0{,}7 \cdot b$$

Der Faktor 0,7 entspricht der gesetzlichen Kürzung des Basiszinses in § 18 InvStG.

3. Tatsächliche Wertsteigerung ermitteln
$$W = S_1 - S_0 - S_{\mathrm{jahr}}$$
$$G = \max(W + A, 0)$$

Die Jahreswertsteigerung wird um die im Jahr eingezahlten Sparraten bereinigt. Ausschüttungen werden wieder hinzugerechnet, weil sie zur Kappungslogik der Vorabpauschale gehören.

4. Vorabpauschale bilden und kappen
$$V_{\mathrm{vor}} = \max(B - A, 0)$$
$$V = \min(V_{\mathrm{vor}}, G)$$

Die Vorabpauschale darf nicht größer sein als die tatsächliche positive Gesamtwertsteigerung inklusive Ausschüttungen.

5. Steuerkette anwenden
$$V_{\mathrm{stpfl,vor}} = \max\!\bigl(V\cdot(1-q), 0\bigr)$$
$$V_{\mathrm{stpfl,nach}} = \max\!\bigl(V_{\mathrm{stpfl,vor}} - F, 0\bigr)$$
$$\mathrm{KESt} = 0{,}25 \cdot V_{\mathrm{stpfl,nach}}$$
$$\mathrm{Soli} = 0{,}055 \cdot \mathrm{KESt}, \quad \mathrm{KiSt}=k\cdot \mathrm{KESt}$$

Teilfreistellung und Freistellungsauftrag mindern nur die steuerpflichtige Vorabpauschale, nicht die Vorabpauschale als solche.

Didaktische Einordnung

Die schwierigste Stelle ist meist die zeitgewichtete Sparrate. Genau deshalb weist der Rechner sie separat aus. Sie macht sichtbar, dass Käufe im Jahresverlauf nicht alle gleich lange investiert waren. Für gleichmäßige Monatsraten ist das eine nachvollziehbare Näherung; für unregelmäßige Einzelkäufe bleibt es bewusst eine Vereinfachung.

Modellrisiken und Verzerrungsrichtung

  • Zeitgewichtete Sparrate statt echter Kaufhistorie: Bei ungleichmäßigen Käufen kann die Vorabpauschale spürbar vom Depotbankwert abweichen.
  • Gesetzeslogik als Standardfall: Steuerliche Sonderfälle oder depotbankspezifische Rundungen fehlen; damit ist der Rechner eher ein Erklär- als ein Abrechnungsmodell.
  • Freier FSA als Input: Wenn der Nutzer seinen bereits genutzten Freistellungsauftrag überschätzt, fällt die Modellsteuer zu niedrig aus.
  • Fondsart als harte Auswahl: Eine falsche Teilfreistellung wirkt direkt auf die Bemessungsgrundlage und damit oft materiell auf das Ergebnis.
Grenzen des Modells

Das Modell ersetzt keine transaktionsgenaue Depotbankrechnung. Unregelmäßige Käufe, mehrere Teilverkäufe, Quellensteuern, Verlustverrechnung und Sonderfälle aus Vorjahren werden nicht vollständig nachgebildet.

Einordnung der Default-Werte

  • Steuerjahr-Default: Orientiert sich am aktuellen relevanten Modelljahr und sollte angepasst werden, sobald ein anderes Steuerjahr geprüft wird.
  • Fondsart-Default: Typischerweise ein Aktienfonds-Szenario; bei Misch- oder Immobilienfonds muss die Teilfreistellung aktiv geändert werden.
  • FSA- und Kirchensteuer-Defaults: Als neutrale Standardannahmen gedacht und nur passend, wenn sie zur persönlichen Situation passen.
  • Werte und Sparraten: Sind Bedienbeispiele; ohne echte Jahresanfangs- und Folgejahreswerte ist die Aussagekraft begrenzt.

Quellen

Quelle, Stand und Modellstatus

  • Quelle: InvStG, EStG, SolzG und die jeweils veröffentlichten BMF-Basiszinsmitteilungen.
  • Stand der Modelllogik: 30. April 2026.
  • Modellstatus: Vereinfachte steuerliche Planungsrechnung mit dokumentierter Zeitgewichts-Näherung für regelmäßige Monatskäufe.