Dokumentation
ETF-Wechsel-Rechner
Der Rechner vergleicht zwei Pfade: den alten ETF einfach weiterhalten oder ihn heute verkaufen, die dabei sofort anfallende Steuer tragen und den verbleibenden Nettoerlös in einen günstigeren ETF mit niedrigerer TER umschichten. Ziel ist nicht eine vollständige Lebenszyklus-Steuersimulation, sondern die saubere Break-even-Frage: Wann hat die TER-Ersparnis die heutige Steuerlast wieder eingeholt?
Modellübersicht
- Zweck des Rechners: Prüfen, ob und wann sich ein ETF-Wechsel allein aus heutigem Steuerdrag und künftiger TER-Differenz rechnet.
- Zielgruppe / typische Nutzung: Anleger mit bestehender ETF-Position, die einen Kostenwechsel erwägen.
- Modelltyp: Deterministischer Zwei-Pfad-Vergleich mit identischer Bruttorendite und unterschiedlicher Kostenquote.
- Inputs: Depotwert, Einstandswerte, bereits versteuerte Vorabpauschalensteuer, Wechselkosten, Teilfreistellung, FSA, Kirchensteuer, alte und neue TER sowie Bruttorendite.
- Outputs: Sofortige Steuerbelastung, neu investierbarer Betrag, TER-Ersparnis, Endwerte beider Pfade und Break-even-Zeitpunkt.
- Bewusst ignorierte Effekte: Tracking Difference, Produktunterschiede, Ausschüttungsprofile, spätere Endveräußerungsbesteuerung und künftige Vorabpauschalen.
- Grenzen der Aussage: Geeignet als isolierter Kostenvergleich, nicht als vollständige Produkt- oder Steuerentscheidung.
- Wirkung der Vereinfachung: Das Modell isoliert bewusst den TER-Effekt; dadurch kann ein realer Wechsel attraktiver oder unattraktiver sein als hier gezeigt.
Modelllogik
- Der alte ETF wird im ersten Pfad unverändert weitergehalten.
- Im Wechselpfad wird heute vollständig verkauft, die Steuer auf den noch nicht versteuerten Gewinn berechnet und der verbleibende Nettoerlös neu investiert.
- Für beide ETFs wird danach dieselbe Bruttorendite unterstellt; der einzige laufende Unterschied ist die TER.
- Der Rechner sucht den ersten Zeitpunkt, an dem der Wechselpfad den Haltepfad vermögensmäßig mindestens eingeholt hat.
Variablen
Rechenschritte
Der Input ist bewusst nicht die Vorabpauschale selbst, sondern die darauf bereits gezahlte Steuer \(T_0\). Der Rechner rechnet daraus mit dem aktuellen Teilfreistellungs- und Kirchensteuer-Setup modellhaft eine bereits versteuerte Vorabpauschale \(P_0\) zurück. Dieser Gewinnanteil gilt dann als bereits steuerlich erfasst und mindert den heute noch offenen Verkaufsgewinn.
Nur der nach Teilfreistellung und Freistellungsauftrag verbleibende Gewinnteil wird tatsächlich besteuert.
Diese Steuer fällt im Wechselpfad sofort an. Genau sie ist der Startnachteil, den die niedrigere TER des neuen ETF später wieder einholen muss.
Der Haltepfad startet dagegen einfach mit dem vollen aktuellen ETF-Wert \(V_0\).
Beide Pfade unterstellen dieselbe Marktrendite \(r\). Der Unterschied entsteht nur durch die laufenden Kostenquoten \(x\) und \(y\).
Der Rechner arbeitet intern monatsweise, damit der Break-even nicht nur auf ganze Jahre beschränkt ist. Die dargestellten Jahrespunkte sind die lesbare Außenansicht dieser Monatsrechnung.
Gesucht ist der erste Monat \(m\), für den gilt:
Dieser Zeitpunkt wird im Chart mit einer vertikalen Linie markiert. Der Chart läuft dann automatisch bis Break-even plus fünf Jahre; falls kein Break-even entsteht, zeigt der Rechner stattdessen einen festen Fallback-Horizont.
Didaktische Einordnung
Der Rechner beantwortet nicht die Frage, welcher ETF „besser“ ist, sondern die engere Frage: Lohnt sich ein Wechsel heute trotz sofortiger Steuerzahlung allein wegen der künftigen Kostenersparnis?
Deshalb werden viele andere Unterschiede bewusst konstant gehalten oder ausgeblendet:
- gleiche Bruttorendite,
- keine gesonderte Tracking-Difference,
- keine unterschiedlichen Ausschüttungsprofile,
- keine spätere Endbesteuerung als Primärvergleichsgröße.
Viele Anleger kennen nicht mehr die historische Summe aller angesetzten Vorabpauschalen, aber häufig noch die darauf abgeführten Steuerbeträge aus der Jahressteuerbescheinigung oder aus Abrechnungen der Depotbank. Genau daran setzt der Rechner an: Er verwendet diesen Steuerbetrag als Input und schätzt daraus den schon steuerlich verbrauchten Gewinnanteil zurück.
Das ist bewusst eine Näherung. Historische Freistellungsaufträge, frühere Teilfreistellungswechsel oder Verlustverrechnung werden dabei nicht rekonstruiert.
Modellrisiken und Verzerrungsrichtung
- Identische Bruttorendite beider ETFs: Das ist methodisch sauber zur Isolation der TER, blendet aber reale Produktunterschiede vollständig aus.
- Keine künftige Steuerhistorie: Spätere Vorabpauschalen oder Unterschiede bei Ausschüttungen fehlen; der Break-even ist daher ein Kosten-, kein Vollsteuer-Break-even.
- Vorab-Steuerhistorie als Näherung: Wer diese Zahl nicht kennt oder falsch setzt, beeinflusst die heute modellierte Steuerlast direkt.
- FSA als verfügbarer Betrag: Ein zu hoch angesetzter Freistellungsauftrag macht den Wechsel im Modell zu attraktiv.
Der Rechner bildet bereits gezahlte Steuern auf Vorabpauschalen nur modellhaft rückwärts in einen bereits versteuerten Gewinnanteil um. Historische Freistellungsaufträge, Verlustverrechnung, FIFO-/Losgrößenlogik, Tracking-Difference, Spreads, Ausschüttungsunterschiede, künftige Vorabpauschalen und eine spätere Endveräußerungsbesteuerung werden nicht vollständig abgebildet. Er ist deshalb eine fokussierte Break-even-Rechnung für die heutige Umschichtungsentscheidung, keine vollständige steuerliche Depotplanung.
Einordnung der Default-Werte
- TER-Defaults: Sollen einen teuren Alt-ETF und einen günstigen Neu-ETF kontrastieren; sie sind bewusst illustrativ und müssen produktspezifisch ersetzt werden.
- Rendite-Default: Ist eine neutrale gemeinsame Marktrenditeannahme, keine Prognose für genau diese Produkte.
- Vorab-Steuer und Wechselkosten default = 0: Das ist nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich keine belastbare Historie oder keine Zusatzkosten vorliegen.
- Steuer-Defaults: Fondsart, FSA und Kirchensteuer sind nur passend, wenn sie die tatsächliche heutige Verkaufssituation abbilden.
Ergebnisinterpretation
- Sofort fällige Steuer: Der einmalige Startnachteil des Wechselpfads.
- Modellhaft rückgerechnete Vorabpauschalen: Der aus bereits gezahlten Vorab-Steuern abgeleitete Gewinnanteil, der heute nicht noch einmal besteuert werden soll.
- Netto neu investierbarer Betrag: Der tatsächlich im neuen ETF startende Betrag nach der heutigen Steuer.
- TER-Ersparnis im Startjahr: Grobe erste Orientierung, wie groß der jährliche Kostenvorteil anfangs ist.
- Break-even: Erster Zeitpunkt, an dem die niedrigere TER die heutige Steuerlast rechnerisch wieder eingeholt hat.
Quellen
- § 18 InvStG: Vorabpauschale.
- § 20 InvStG: Teilfreistellung.
- § 43a EStG: Steuerabzug bei Kapitalerträgen, einschließlich Investmenterträgen.
- § 32d EStG: Abgeltungsteuer.
- § 4 SolzG 1995: Solidaritätszuschlag.
Quelle, Stand und Modellstatus
- Quelle: InvStG, EStG und SolzG in den oben verlinkten Fassungen.
- Stand der Modelllogik: 30. April 2026.
- Modellstatus: Vereinfachte Break-even-Rechnung für ETF-Umschichtungen mit Fokus auf heutiger Steuerlast und künftiger TER-Differenz.